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22 Okt

Andi Dollinger berichtet von der Front

Andreas Dollinger vom Team grafikeria centurion racing powered by muki bestritt in Italien die UCI MTB Marathon World Championships, die oberste Messlatte im Mountainbike-Sport. 102 Kilometer mit 4200 Höhenmetern waren die Eckdaten für die in den Dolomiten ausgetragene Weltmeisterschaft.

Andreas Dollinger, unzensiert: «Die Woche vor der WM wurde ich krank, ungünstiger Zeitpunkt, man muss es nehmen wie es kommt und das Beste daraus machen. Leider sagte mir auch kurzfristig mein Betreuer ab, er brach sich sonntags davor bei einem Sturz die Rippen. Mein Freund Orestis und seine Freundin sprangen kurzfristig vor Ort als Betreuer ein. Ohne die beiden wäre es unmöglich gewesen, dieses Rennen zu bestreiten, da es seitens der UCI nur markierte Bereiche gibt, die zum Support dienen!

Start war am Samstag um Punkt 9 Uhr, das Tempo war mehr als hoch, ich konnte mich gut einordnen und meinen Rhythmus finden. Nach rund drei Stunden Fahrzeit glaubte ich mich schon sicher zu fühlen, das ich körperlich safe war, ich konnte mich in jener ca. 20 Mann starken Gruppe bereits nach vorne arbeiten. Alles weitestgehendst nach Plan!
Leider war dann später ein Leistungsabfall zu verzeichnen, ab vier Stunden Fahrzeit zog es mir regelrecht den Stecker. Die Distanz war mir zu lange, oder aber der Wettkampf kam eine Woche zu früh für mich. Sei es wie es sei, mein Körper war noch zu geschwächt, um eine WM mit jener Distanz und auf jener Strecke konkurrenzfähig von Start bis Ziel zu absolvieren. Doch zu akzeptieren, dass man Platz um Platz zurückgereicht wird, das ging mir weniger gut von der Hand.

Unvorstellbar, wie seit sich 30, 25 oder auch nur 2 km anfühlen können, wenn der Akku leer ist! Es wäre ein leichtes gewesen, ein DNF anzuschreiben. Aber es widerspricht dem Anspruch, den ich selber an mich stelle. Solange ich einerseits keine nachhaltigen, physischen Schäden/Beeinträchtigungen daraus erfahre und andererseits keine, in Relation zum zu erwartenden Ergebnis, materiellen/finanziellen Schäden daraus resultieren, steht ein DNF nicht zur Wahl. Dieser fix definierte persönliche Zweipunkteplan nimmt mir in genau jenen seltenen Fällen jegliche Entscheidungsfindung ab. Klingt brutal, ist brutal, aber der einzig richtige Weg. Diese restlichen zweieinhalb Stunden Fahrzeit bis ins ersehnte Ziel waren eine Lehrstunde. Als fairer Konkurrent machte ich jedem Fahrer so gut es ging schnellstmöglich die Spur frei und griff in keinerlei Zweikämpfe ein, selbst 500 m vorm Ziel nahm ich mich aus der Gruppe heraus, falscher Ehrgeiz wäre hier absolut fehl am Platz gewesen, meine Platzierung war ab spätestens vier Stunden Fahrzeit gestorben.
Eine WM!, Die Strecke, die Distanz, der Verlauf, alles in allem das Schwierigste, was ich bis dato unter meine Stollen nahm. Mit gut 6h18min finishte ich auf Position 119. Doch die Zeit, die Platzierung waren absolut nebensächlich. Ich finishte, war gesund, zum Glück sturzfrei und defektfrei. Es war das absolut maximal Mögliche an jenem Tag für mich. Eine Erfahrung, eine Erdung, eine Atmosphäre, ein Tag, den ich nicht vergessen werde.
Ich danke allen, die mich unterstützten. Ich habe das Beste daraus gemacht und meinen WM-Plan aller Widrigkeiten zum Trotz durchgezogen!»

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