06 Aug

Ein langer, harter Tag mit gutem Ende

Aufgrund der knappen spezifischen Langdistanz-Vorbereitungsphase von nur gerade drei Trainingswochen (nach kurzfristiger Umgestaltung seiner Saisonplanung) wusste Ruedi Wild, dass er sich den Wettkampf intelligent würde einteilen müssen, wollte er ein erfolgreiches Resultat erzielen. Das bedeutete für den Sponser-Sportler für einmal: Passive Rennstrategie, Unregelmässigkeiten im Tempo verhindern und geduldig bleiben – also eigentlich genau das Gegenteil von dem, was er sich von den kürzeren Distanzen gewohnt ist. Sein Bericht:

«Der Auftakt frühmorgens beim Schwimmen gelang mir ideal und ich kam mit den ersten Athleten aus dem Wasser. Nachdem sich der spätere australische Sieger bereits ganz am Anfang entscheidend hatte absetzten können, konnte ich in der Verfolgung leider nicht auf viel Unterstützung bei der Nachführarbeit zählen. Gleichzeitig wollte ich ja auch nicht alle meine Kräfte zu früh verpuffen, weshalb das Tempo immer langsamer wurde und von hinten weitere Athleten im Schlepptau von Ronnie Schildknecht nach vorne kamen. Nach dem Zusammenschluss bei ca. km 80 stieg dann aber auch das Tempo wieder an (und auch mein Rückstand auf den späteren Sieger sollte sich ab da bis zum Ende nicht weiter vergrössern).

Meine erste «Krise» erlebte ich nach circa drei Stunden auf dem Rad. Plötzlich ging fast nichts mehr und ich musste Ronnie und Jan van Berkel – zwei meiner Hauptkonkurrenten – ziehen lassen. Die Beine rebellierten kurzfristig und gleichzeitig setzten auch im Kopf erste Zweifel ein – zu kurz und ungenügend vorbereitet, dazu zu hohe Erwartungen, es dauert ja noch ewig u.ä. – dabei war noch nicht einmal die Hälfte der Wettkampfzeit vorbei.

Nach ausreichendem Verpflegen nahm dann aber die zweite, zuversichtliche Stimme in mir wieder Überhand und ich fühlte mich anschliessend immer besser, während die Beine wieder leichter Kurbelten. Das endgültige «Wachrütteln» aber war die Passage beim steilen Anstieg in Kilchberg, dem sog «Heart break hill», rund 10 km vor dem Wechsel aufs Laufen. Eine bombastische Stimmung, wohl vergleichbar mit den Aufstiegen an der Tour de France. Ich wurde vom Heimpublikum und den vielen bekannten Gesichtern am Streckenrand richtiggehend gepusht, Gänsehautstimmung pur. Von da an schaute ich nur noch nach vorne und die Zweifel waren plötzlich wie weggeblasen.

Beim abschliessenden Marathon schlug ich an fünfter Stelle liegend meine anvisierte Pace an und konnte in der Folge schnell wieder Boden nach vorne gutmachen zu Ronnie und Jan, welche ich nach rund 17 bzw. 25 km einholte und mich so auf dem zweiten Rang etablierte. Der Australier zuvorderst war jedoch stärker und konnte seinen Vorsprung verwalten.

Die Krönung, man könnte auch von Erlösung sprechen, eines harten Ironman Wettkampfes ist dann der Zieleinlauf – endlich einmal konnte ich diese tolle Stimmung in Ruhe geniessen und mich über die gute Klassierung freuen, bevor dann die Nachwehen der harten Belastung einsetzten.

In der Folge gönne ich mir nun einige Ferientage und muss dann wohl meine Hawaii Reise für den Herbst trotzdem wieder buchen…

Vielen Dank nochmals für eure zahlreichen Rückmeldungen und die tolle Unterstützung vor Ort – Heimvorteil pur!»

Fotos: Janosch Abel

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