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05 Okt

«Wieder um ein grandioses Erlebnis reicher»

Bruno Christen hat in seinem Leben schon viel mitgemacht. Ein ganz besonderes Erlebnis war seine Teilnahme an der Ironman 70.3-WM in Australien in der Agegroup 70+. Mit viel Sinn für Humor berichtet der Schweizer von seinem Trip nach Down Under:

brunochristen

«Ich habe eine Nadelspitze von Australien gesehen und bin tief beeindruckt. Freundliche Leute. Das Land wird in Ordnung gehalten, nicht nur mittels der Einwanderungspolitik. Noch nie habe ich so saubere Strände gesehen. Die jungen Leute saufen am Wochenende am Strand wie die Weltmeister, aber nachher ist alles blitz blank, obwohl keine Abfallkübel vorhanden sind. Jeder nimmt seinen Mist wieder nach Hause. Man sieht auch nichts an den Strassenrändern. Nun zum Rennen.

Schwimmen: Zuerst durch die Brandung schwimmen und dann 300 m draussen der Wasser-Start. Alles ging problemlos. Die Wellen waren akzeptabel. Nach 800 m 90° nach links, nach 150 m wieder 90° nach links und zurück. Ich hatte meinen Rhythmus gefunden und es ging zügig voran (was immer das bei meinem Schwimmen heissen mag). Doch dann geschah es! Es hörte sich hinter mir an, wie eine Brandungswelle, die bedrohlich näher kam. Mein erster Gedanke war: ein Tsunami! Das Rauschen wurde immer stärker. Dann spürte ich es an den Füssen, Unterschenkeln, Oberschenkeln, A…, Rücken, Kopf: Es waren die 400 Mädels (Kategorie 18-34 Jahre), welche nach mir gestartet waren. Ein Mädel ist wunderbar, einige Mädels sind noch wunderbarer, 400 Mädels, die über einem herfallen (und das noch von hinten) verursachen einen bleibenden seelischen Schaden. Nie mehr werde ich das Schwimmen lustvoll geniessen können. Habe es bisher zwar auch nie gekonnt, aber trotzdem. Meine Rettung war, abzutauchen und links weg zu schwimmen. Ich habe es dann doch noch in für mich akzeptablen 46 Min. ins T1 geschafft. Nach dem Schwimmen war ich auf Rang 15.

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Rad: Die ersten 40 km waren auf der Autobahn, der Rest war hügelig bis steil, plus drei knackige Steigungen mit je 18 %. Im Training habe die 18-Prozenter mit der Übersetzung 44/24 versucht. Bei der 3. Steigung musste ich ausklinken. Mit 44/28 habe ich es geschafft. Diese Übersetzung habe ich dann auch fürs Rennen montiert. Auf der Autobahn konnte ich mit 56/11, und hinten mit Scheibe, richtig Gas geben. Der zum Teil starke (Gegen-)Wind hat überhaupt nicht gestört. Die zweiten 50 km, Hügel und die 18% (viele sind zu Fuss hoch gegangen) waren für mich, dank der «Sattelegg» natürlich kein Problem. Mit 2:55:04h (30,38 km/h) hatte ich die schnellste Rad Zeit in meiner Kategorie. Nach dem Rad war ich auf Rang 5.

Laufen: Die Laufstrecke hatte zwei lange Steigungen, der Rest war flach. Auf Grund meiner Probleme im linken Fussgelenk bin ich im Training nie mehr als 5 km am Stück gelaufen. Dieses Manko habe ich nun gespürt. Ein Fehler war auch, dass ich auf dem Rad nur knapp 1,5 Flaschen getrunken hatte. Nach 300 m blockierte ein Krampf im Oberschenkel mein linkes Bein. Innert 5 Sek. hat mir von links eine Athletin etwas in den Mund gesprayt und von rechts kam eine Schweizerin und gab mir zwei Salz-Tabletten. Alles dankend akzeptiert, gedehnt und weiter ging es. Ab sofort werde ich beim Laufen Salt-Caps bei mir haben! Aber trotzdem, einer nach dem anderen hat mich wieder überholt und ich konnte nicht dagegen halten. In der letzten Steigung, etwa 50 0m vor dem Ziel, sah ich etwa 150 m vor mir einen Grauhaariger am Hinken. Ich vermutete einen Konkurrenten von meiner Kategorie. Also habe ich den letzten Saft mobilisiert. 100 m vor dem Ziel hatte ich ihn eingeholt. Auf Grund seiner Startnummer sah ich aber, dass er zwei Kategorien jünger war! Die Mobilisierung meiner letzten Kräfte hat mir aber sicher geholfen, den 5. Rang zu halten, denn der 6. kam 24 Sek. hinter mir ins Ziel. Mit der fünftbesten Laufzeit in meiner Kategorie erreichte ich noch den 5. Gesamtrang. Da an der WM die ersten fünf aufs Podest kommen, bin ich glücklich das «Treppchen» noch erklommen zu haben. (Übrigens gleicher Rang wie 2014 an der WM in Canada.)

bruno-christen

Laut Organisator waren 3000 Teilnehmer aus 83 Nationen anwesend. Der ganze Event war perfekt organisiert mit sehr vielen Zuschauern. Am Freitag vor dem Rennen war eine Nationen-Parade. Ich wurde als Fahnenträger für die Schweizer Delegation nominiert, was für eine grosse Ehre!

Hätte ich es besser machen können? Ja, sicher. Das T1 mit 9:12 geht 4 Min. schneller. Beim Schwimmen und Laufen muss ich mindestens je 5 Min. schneller sein. Ich habe noch Verbesserungspotenzial und plane dafür schon das nächste Trainingslager.

Rückblick und wie geht es weiter: Im 2016 bin ich 6 x gestartet: 4 x Rang 1 (Ironman 70.3 in Brasilien, Rapperswil und Norwegen sowie der 5150 in Zürich), 1 x Rang 3 (Short Tri in Stettfurt) und 1 x Rang 5 (WM Ironman 70.3 in Australien). Das nächste Ziel ist nun der Weltmeister-Titel.»

bruno-christen

Ein Kommentar zu “Ironman 70.3-WM 2016 – Rückblick von Bruno Christen”

  1. max grether vulco pickel sagt

    29. Oktober 2016, 03:13

    hallo bruno! meus parabens!!! unglaublich dich nach so vielen jahren in der weltpresse zu finden.Não sei se vc ainda se lembra de mim, wattwil,são paulo-sulzer.supermax@outlook.com. Um grande abraço!!!! max grether

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