04 Sep

Ruedi WildAuch im Pech kann man noch von Glück reden

Normalerweise ist die Wettkampfreportage für Ruedi Wild eine ideale Möglichkeit, das Renngeschehen noch einmal Revue passieren zu lassen und auf diese Weise zu verarbeiten. Dieses Mal jedoch keine einfache Sache, da der Sponser-Sportler seine Teilnahme an der Ironman 70.3-Weltmeisterschaft in Zell am See am liebsten bereits vergessen hätte.

«Der Wettkampftag hatte ideal begonnen und das tolle Spätsommerwetter sollte viele Tausende von Zuschauern überall an die Strecke locken. Die Startzeit war erst auf 11 Uhr angesetzt, so dass am Sonntag morgen sogar noch Zeit blieb für ein Frühstück zur christlichen Stunde, mitsamt dem passenden Cappuccino. Für einmal kriegte ich aber fast keinen Biss runter – die Nervosität hinterliess also doch etwas Spuren, war aber mit dem Startschuss schnell verflogen. Mit meiner bisher stärksten Schwimmleistung wechselte ich mit den Führenden aufs Rad. Auch die 90 km harten Radkilometer absolvierte ich in Schlagdistanz zur Spitze und liefen so, wie ich mir das idealerweise vorgestellt hatte. In optimaler Position wechselte ich auf den abschliessenden Halbmarathon.

Mehr denn je war ich überzeugt, dass dies mein Tag werden würde, denn auch die Hitze beim Rennen kommt mir als thailanderprobter Athlet entgegen. Bei der ersten Verpflegungsstelle nach 2 km passierte es aber – der mit Cola gefüllte Becher hatte eine Wespe drin, welche mir beim Trinken ins Maul stach! Schmerzen kann man im Wettkampf glücklicherweise gut ausblenden und ich war entschlossen, mich davon nicht stoppen zu lassen. Nach und nach jedoch schien der Körper das System runterzufahren. Ich bin völlig eingebrochen. Noch heute weiss ich nicht mehr, wie ich die letzten 10 km absolvierte – unter normalen Umständen würde ich mir eine solche Qual mit Bestimmtheit nicht antun.

Der letztlich (immer noch gute!) 11. Rang an der WM würde die grosse Mehrheit der Pro Athleten mit Handkuss annehmen, aber für mich bedeutet dies (zumindest momentan noch) eine grosse verpasste Chance. Gerade eben, weil ich nichts hätte anders machen können und in jedem Bereich absolut top vorbereitet war, war (und ist es) es nur schwer zu akzeptieren. Aber wieder einmal zeigte sich der Sport in all seinen Facetten. Auch solche unkontrollierbaren Geschehnisse gilt es zu akzeptieren und dann raschmöglichst wieder vorwärts zu schauen. Letztendlich ist es simpel: Man fällt hin und steht (mindestens einmal mehr) wieder auf. «Auch im Pech kann man noch von Glück reden», ist mir mal zu Ohren gekommen. Wie wahr! Hätte mich die Wespe etwas tiefer in den Hals gestochen, hätte ich später den Kaiserschmarren mit Bestimmtheit nicht mehr essen können!

Vielen Dank an dieser nochmals für eure Unterstützung und das Mitfiebern.
Euer Ruedi

Ruedi Wild

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