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24 Okt

«Erfolg ist eine Treppe, keine Tür»

Eine Ironman-Weltmeisterschaft ist kein Spaziergang. Klar. Dass es jedoch derart hart werden würde, einen Rennen bei heftigem Wind zu beenden, das hätte im Vorfeld wohl niemand gedacht. Die Schweizer Profi-Athletin Simone Brändli hat sich durch Wind und Wellen gekämpft und konnte sich am Ende über einen grossartigen 13. Schlussrang freuen. Ihr Racebericht:

Simone-Braendli

Dass es angesichts des Top-Frauenfeldes zu keiner einfachen Aufgabe werden würde, mein hoch gestecktes Ziel zu erreichen, war mir mehr als klar. Doch dass die Treppe derart steil, steinig und lang sein würde, es eine Tortur und jeder Meter eine Qual werden würde; das hatte ich nicht erwartet!

Aber mal von Anfang an: Die 37 besten Frauen der Welt paddelten um 6:2 5 Uhr bereit hinter der Startlinie. Spielchen, wer wo einsteht bzw. einstehen darf, wurden gespielt. Jede kritisch beäugt und analysiert. Ich gab bald auf, die perfekte Position zu finden und schoss ab dem Kanonenschuss wie von der Tarantel gestochen voran, die Beine in der Säure, völlig am Anschlag, so wie alle anderen mit mir. Als würden wir ein 800m-Rennen schwimmen und nicht einen Ironman absolvieren. Mit der Zeit kehrte etwas Ruhe ein und ich hatte meine Position hinter der Führenden, welche direkt hinter einem Stand-Up-Paddle-Board schwamm, gesichert. Dafür kassierte ich auch gut 1 km lang Faustschläge auf die Schulter und den Kopf; reine Absicht, das war klar. Leider. Nur war das noch nicht das Mühsamste: Ich sprintete am Schluss an der Führenden vorbei und stieg vermeintlich als Erste zum Wasser raus. Doch da kam die Ernüchterung. Offenbar hatte es noch eine Gruppe vor dem Stand-Up-Paddler gegeben. Das war mir nicht bewusst gewesen; hätte es angesichts des lockeren Tempos aber sein müssen… Schade!

Simone-Braendli-Hawaii-2014

In der Wechselzone versuchte ich, die nassen Arme ins Trikot zu kriegen, die Helferinnen verpackten in der Zeit meinen Proviant und Kühlmanschetten, anstatt sie mir zu geben, und ich düste los aufs Rad. Die ersten 1,5 Stunden war ich alleine, bei guten Wattwerten unterwegs. Allerdings mussten die Beine da schon sehr viel leisten. Normalerweise geht es mit der Zeit dann besser und ich kann die Wattzahlen hoch halten. Nicht so an diesem Wettkampf auf Hawaii. E s war abartig heiss, mein Helm machte Knackgeräusche, als würde er zerspringen und mit ihm gefühlt auch der Kopf. Die Beine schmerzten, die Füsse waren angeschwollen und ich musste immer wieder kühlen, die Schuhe ausziehen und mich wirklich jeden Meter voranquälen, während die Wattwerte in den Keller sanken. Zum Glück waren die Konkurrentinnen gleichermassen reduziert. Der heftige Gegen- und Seitenwind machte die Radstrecke echt zur Tortur. Egal in welche Richtung wir fuhren, wir wankten im heftig bremsenden Wind.

Für den Run rechnete ich mir nach der lausigen Radleistung eine tolle Zeit aus, sagte mir, dass die Beine ja nun nicht so viel hatten tun müssen. Aber weit gefehlt! Ich torkelte los und alles tat weh. Ich kühlte mit Eisspray, trank und schüttete Wasser über mich, was das Zeug hielt. Nur der Rhythmus kam nie wirklich. Die Füsse klebten am Boden und ich hätte x-Mal fast aufgegeben. Was wirklich half (nebst den einstudierten mentalen Ankern und dem Wissen, dass soooo viele zu Hause das Rennen mitverfolgten), war der Blick in die Gesichter der Konkurrentinnen. Da sprach Leiden pur heraus. Sie hatten noch nicht mal die Energie, es zu verstecken. Es ging ihnen al so auch so wie mir und ich wusste, di e wenigsten würden hier einen tollen Marathon hinlegen. Also hielt ich mein Tempo – wenn auch weit weg vom gewünschten – konstant und konnte sogar ab der Hälfte noch etwas zulegen. Es wurde bewölkt und angenehm kühler. Das nassschwere Trikot entsorgte ich, wodurch dich wieder freier atmen konnte. Von da an machte ich Platz um Platz gut. Es war motivierend, die grossen Namen vor mir hinter mir zu lassen (wie z.B. die amtierende Weltmeisterin). Mit dem 13. Schlussrang kann ich wirklich mega happy sein. Es war alles andere als der perfekte Tag, aber ich habe Durchhaltwille bewiesen wie noch nie und es war harte Arbeit! Die Nr. 13 der Welt zu sein, ist einfach ein unglaublich tolles Gefühl! Einen grösseren Erfolg habe ich noch nie feiern dürfen!

SimoneBraendli

Er ist der Lohn für viele Stunden Schweiss, Verzicht, Kampf, wieder aufstehen, Treppen erklimmen und Disziplin. Es wäre nicht das Gleiche, hätte ich einfach nur eine Türe aufstossen müssen! In dem Sinne: Mahalo für all den Support! Er trug enorm viel zu meinem Erfolg bei.

Fotoquelle: simonebraendli.ch

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