09 Mrz

Das atemberaubende Abenteuer von Michael Gauer

Michael Gauer hat sich im Februar 2012 auf den Weg gemacht, den zugefrorenen Baikalsee mit seinem Snowkite, auf Skiern und zu Fuss zu überqueren. Ausgestattet mit einem Schlitten, auf dem er seine Habseligkeiten und ausreichend Verpflegung – auch von Sponser Sport Food! – mitzog, hat er die rund 700 km lange Strecke in 10 Tagen bewältigt. Enorme Kälte, materielle Missgeschicke, aber auch herzliche Gastfreundschaft und günstige Windverhältnisse haben das eiskalte Abenteuer in eine eindrückliche Expedition mit Beinahe-Happy-End verwandelt.

In seinem Erlebnisbericht erzählt Michael Gauer, wie es ihm bei seinem Abenteuer in Eis und Kälte ergangen ist:

«Nach der langen Anreise endlich alleine auf dem zugefrorenen Baikalsee! Am ersten Tag legte ich ca. 25 km zu Fuss mit dem Gepäckschlitten im Schlepptau zurück. Die Kulisse unglaublich schön – der gefrorene See, eingebettet zwischen dem Gebirge – Sonnenschein, eisige Kälte und die Einsamkeit merklich spürbar. Nach 6 Stunden Marsch baute ich das erste Camp auf. Dann geschah das Unfassbare. Obwohl ich mehr mit Outdoor-Kochern als auf einem normalen Herd koche, machte ich einen verheerenden Fehler. Als ich die Pfanne auf die Flamme stellte, bemerkte ich anfangs nicht, dass sich der Telleruntersatz immer noch unter der Pfanne befand. Die Flamme fing an zu flackern. Als ich das Problem erkannte, war es schon zu spät. Das geschmolzene Plastik verstopfte ca. 5/6 der Düse. Von diesem Moment an kämpfte ich gegen die Befürchtungen, dass der Kocher jederzeit komplett aussetzen könnte und ich ein Notfallsignal absetzen müsste.

Wasserschmelzen mit dieser minimen Gasleistung und das ständige Durstgefühl waren während der ganzen Expedition eine grosse psychische Belastung. Ich wusste zu keiner Zeit, ob der lebenswichtige Gaskocher beim nächsten Mal seine Leistung noch bringen wird. Als die Sonne am zweiten Tag langsam hinter den Bergen am Westufer verschwand und ich zurückblickte, konnte ich immer noch meinen Startort erkenne. Es war ein deprimierender Moment, da das Gefühl aufkam nicht voranzukommen.

Die zweite Nacht war die kälteste aller Nächte. Das Thermometer zeigte minus 45 Grad an. Gefrorener Atem fiel regelmässig in den Schlafsack und mitten in mein Gesicht. Ich musste absolut regungslos liegen und versuchen, die gesamte Wärme im Schlafsack zu konzentrieren. Dabei durfte kein Gedanken ans Frieren aufkommen, das hätte sich sofort negativ ausgewirkt.

Feuchte Sachen blieben die ganze Nacht im Schlafsack um – so gut es ging – zu trocknen. Am dritten Morgen wackelte das Zelt vielversprechend. Aus Norden wehte der «Barguzin» über das Barguzingebirge. Ich lege 95 km Luftlinie mit Kite und Skis zurück. Ein Wahnsinnsgefühl war das, ohne grosse körperliche Anstrengung eine so enorme Distanz zurückzulegen! Durch die Zugkraft des Kite fühlt e sich der Schlitten plötzlich ganz leicht an und glitt wie ein frisch gewachster Ski über die verschneiten Eisflächen.

Am darauffolgenden Tag wurde der Wind etwas schwächer und ich kam nur langsam voran. Es fing an zu schneien, war brutal kalt, und es wurde immer schwieriger, eine gerade Linie zu gehen. Alle 5 Minuten konsultierte ich den Kompass, um meinen Kurs zu korrigieren. Der Untergrund war plötzlich spiegelglatt, fast ohne Schnee. Mit den Steigeisen auf blankem Eis war das Weiterkommen einfach. Erst zu diesem Zeitpunkt wurde mir bewusst, dass es auf dem Baikalsee in diesem Winter viel mehr geschneit haben musste, als dies üblicherweise der Fall ist. Gegen Abend wurde der Schnee tiefer und die Pulka (mein Gepäckschlitten) noch schwerer zu ziehen.

Ich beschloss, früher Rast zu machen und stellte mich erneut meinem Kocherproblem. Um 2 Liter Wasser aus Schnee zu schmelzen, benötigte der lädierte Kocher ca. 30 Minuten. Ein weiteres Problem kam hinzu: Eine meiner 2 Thermosflaschen war inwendig komplett vereist, und es war unmöglich die Kanne zu öffnen. Auch bei der zweiten Kanne fingen die Dichtungen durch die Kälte an, spröde zu werden. Die eisigen Temperaturen machten das Hantieren mit dem Equipment sehr schwierig. Immer wieder musste ich meine Hände aufwärmen. Ich versuchte jeglichen direkten Kontakt mit Schnee zu vermeiden, um die Handschuhe trocken zu halten. Jede Nacht drehte ich 8 Eisschrauben ins Eis, um das Zelt sturmsicher zu machen. Dabei kam es oft vor, dass sich meterlange Risse im Eis bildeten. In der Nacht donnerte und knirschte es beängstigend laut auf dem Eis, so dass es unmöglich war, ohne Ohrenstöpsel zu schlafen. Auch diese waren hartgefroren und mussten zuerst aufgewärmt werden.

Am folgenden Morgen gab mein Kocher komplett den Geist auf. Ich konsultierte die Karte und beschloss, ein von der Umwelt abgeschnittenes Dorf zu erreichen, um den Kocher irgendwo im Trockenen reparieren zu können. Die Hoffnung, dass im Winter jemand da sein könnte, war gleich null. Aber immerhin hatte ich vielleicht die Möglichkeit, irgendwo Unterschlupf zu finden und ein Feuer zu machen. Der Wind stand nicht schlecht und brachte mich mit dem Kite in wenigen Stunden nach ca. 30 km nach Davsha.

Ein bellender Hund begrüsste mich, worauf ich sofort an die Wölfe denken musste. Aber er war harmlos und hatte eher Angst vor mir. Und tatsächlich stieg aus einem einzigen Kamin Rauch in den Himmel hoch. Ich klopfte an, worauf der mir öffnende betagte Russe mich zu sich einlud, meine Kleider trocknete, für mich Suppe kochte und mir meinen Schlafplatz zeigte. Gerne nahm ich seine Gastfreundschaft an, er war mehr als der Retter in der Not. Später verwöhnte mich Alexander mit frischem Omul (Fisch aus dem Baikalsee) und Kartoffeln.

Nach Davsha führt keine Strasse, und der kleine Ort ist nur über das Eis oder Wasser erreichbar. Der bezaubernde, verschneite Ort wirkte magisch auf mich. Gerne wäre ich noch einige Tage geblieben, doch mein Plan liess dies nicht zu. Den Kocher konnte ich reparieren, so dass er wieder 100% Leistung hatte. Der Entscheid, die Reparatur an Land und in Sicherheit vorzunehmen, war genau richtig. Die belastenden Gedanken wegen der Kochergeschichte verfolgten mich jedoch weiter. Bevor ich weiterzog, hatte ich mich entschlossen, alles unnötige Equipment zurückzulassen. Dadurch wurde ich ca. 5 Kilo leichter. Auch Ersatzbatterien habe ich entsorgt. Alle technischen Geräte inkl. Tracker waren ab diesem Zeitpunkt nicht mehr in Betrieb und nur für den Notfall vorgesehen. Diese Massnahmen machten mich schneller.

Die nächsten Tage wurde ich vom Wind verwöhnt. Bei tagsüber minus 20 bis minus 30 Grad legte ich bis zu 130 km täglich zurück. Schlafsack und Isoliermatte wurden immer knittriger. Ab und zu legte ich im Schlaf meinen Kopf zur Seite und atmete direkt in den Schlafsack. Der Atem fror direkt unter der äussersten Schicht und macht den Schlafsack hart und schwer, so dass das Einpacken am Morgen schwierig wurde. Auch die Dichtungen wegen der Thermoskannen fingen wegen den tiefen Temperaturen an zu brechen.

In den folgenden Tagen galt es, Eisspalten mit bis zu einem Meter Breite zu überwinden. Eisbarrieren schlängelten sich kilometerweit durch die riesige Eisfläche des Sees. Manchmal war es unmöglich zu kiten. Mit Steigeisen oder Snowtrekker suchte ich meinen Weg durch die Eisbrüche und das Packeis. Bei diesen Temperaturen ist es nicht ganz ungefährlich, mit Wasser zu hantieren. Egal, wohin sich ein Tropfen verirrt, er gefriert innert Sekunden. Mit blanken Händen Metallgegenstände anzufassen, hatte nach sehr kurzer Zeit weisse, abgefrorene Finger zur Folge.

Was ich nie erwartet hätte, traf mich auf einmal: Während dieser harten 10 Tagen fing ich an, mich nach einem Teampartner zu sehnen. Alleine unter diesen extremen Bedingungen ist es manchmal sehr schwierig, die Nerven zu behalten und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Manchmal stellte ich mir vor, wie viel einfacher es wäre, jemanden dabei zu haben und sich austauschen zu können. Vielleicht hätte man über das eine oder andere Problem sogar gelacht.

Die meiste Zeit wurde ich vom Wind sehr verwöhnt. Der Barguzinwind erlaubte mir ca. 80% der Strecke zu kiten. Dadurch konnte ich Energiesparen und schwitzte nicht sehr stark, was bei diesen Temperaturen extrem gefährlich sein kann. Auch das Atmen bei diesen Temperaturen war nicht einfach. Um den Atem anzuwärmen, habe ich einen speziellen Wärmetauscher für den Mund verwendet.

Meine Zehen waren eingefroren. Sollte ich Halt machen und im Zelt und Schlafsack Wärme tanken oder die Zeit ausnützen und weitergehen? Solche Entscheidungen zu treffen, war immer mit grossem psychischem Stress verbunden. Zudem ist es im Februar viel länger dunkel als hell. Das Tageslicht war sehr kostbar und musste optimal genutzt werden.

Am zweitletzten Tag meiner Expedition passierte dann das Unglück: Ich rammte während dem Kiten einen zugeschneiten Eisklotz mit hoher Geschwindigkeit. Leider hielt die Konstruktion meines Schlittens der Wucht des Aufpralls nicht Stand, die linke Kufe des Schlittens wurde komplett eingedrückt. Es musste vor kurzem viel geschneit haben. Auf dem See lagen 20 cm frischer Schnee. Der Gepäckschlitten füllte sich durch die eingedrückte Kufe selbstständig mit Schnee. Ich war gezwungen, diesen ständig zu entleeren. Unter diesen Bedingungen war ein Weiterkommen fast unmöglich. Mein ursprüngliches Ziel war die Ortschaft Listvyanka auf der Westseite des Baikalsees.

Gelandet bin schlussendlich in Tachoy, ziemlich genau gegenüber, auf der andern Seeseite. Die bis dahin zurückgelegte Strecke von 700 km in 10 Tagen ist weit mehr als die Gesamtlänge des Baikalsees. Eine Überquerung des Sees von Tachoy nach Listvyanka erschien mir nicht mehr sinnvoll und wäre mit dem kaputten Schlitten fast nicht mehr möglich gewesen. So beschloss ich, in Tachoy meine Expedition zu beenden und das Ufer zu erreichen, wo eine Bahnlinie der transsibischen Eisenbahn entlangführt. Meinen Schlitten schenkte ich der Schule in Tachoy. Einige Russen verschafften mir einen Platz zum Übernachten, und wir sassen die ganze Nacht am Tisch bei Speis und Trank.»

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