11 Jun

47 Stunden auf dem Fahrrad, das gibt einiges zu erzählen!

Jedoch erst nachdem ich mir klar geworden bin, wie nah Sieg und Niederlage zusammen liegen. Mein sportliches Ziel war ganz klar; meine Zeit vom letzten Jahr von 42 Stunden zu unterbieten. Leider ist mir dies überhaupt nicht gelungen. Im Gegenteil, ich schämte mich nach 47 Stunden ins Ziel zu fahren. Wie es dazu kam? Fangen wir einmal ganz von vorne an.

Nach einer 10-stündigen Anreise nach Graz konnten wir am Dienstagabend 31. Mai 2011 um 23.00 Uhr unser Hotelzimmer im Oekotel beziehen. Mit einer kleinen Käse- und Fleischplatte liessen wir den Abend ausklingen und gingen gegen Mitternacht zu Bett. Nicht ausgeschlafen, aber top motiviert bereiteten wir uns am Mittwoch auf das Rennen vor. Das Fahrzeug wurde perfekt eingeräumt. Die Strecke wurde nochmals im Detail besprochen, wie und wann man den Teamwechsel durchführen möchte usw. Im gleichen Hotel wie wir, was auch das Team von Beny Furrer untergebracht. Beny zählt zu den bekanntesten Extremradsportlern der Welt. Nicht nur durch seine hervorragenden Resultate, sondern auch weil er all diese Leistungen mit einem Arm absolviert. Es war mir eine grosse Ehre, Beny endlich einmal persönlich kennen zu lernen. Er und sein Team oder besser gesagt seine Familie, sind sehr sympathische Menschen. Nachmittags um 16.00 Uhr holten wir unsere Startnummer 14 ab. Dabei sahen wir die ersten bekannten Gesichter wieder, welche wir ein Jahr zuvor kennen gelernt hatten. Um 18.00 Uhr wurden wir vom Veranstalter bis zum letzten Detail über das Rennen informiert. Der Mittwoch ging sehr schnell durch und so genossen wir anschliessend die letzten stressfreien Minuten bei einem gemütlichen Abendessen. Obwohl es auf der ganzen Menukarte keine Teigwaren gab, erhielt ich ausnahmsweise ein Teller Nudeln als Beilage zu meinem Menu.

Gegen 21.00 Uhr verabschiedete ich mich vom Team und zog mich in mein Zimmer zurück. Dort erhielt ich noch eine perfekte Massage. Dennoch schlief ich ziemlich unruhig, wie immer wenn ich auswärts bin. Nach einem reichhaltigen Frühstück erledigte jeder noch was wie abgesprochen noch bis zum Start zu tun war. So fuhren wir gegen 11.00 Uhr perfekt vorbereitet zum Startgelände. Dort lernte ich endlich einmal Thomas Ratschob und Eduard Fuchs – meine 2 grössten Konkurrenten – persönlich kennen. Wie auch im vergangenen Jahr fiel pünktlich um 12 Uhr der Startschuss. Die ersten 21 Kilometer waren neutralisiert und die Begleiterfahrzeuge duften uns auch nicht folgen. Eigentlich wollte ich das ganze Rennen mit fester Nahrung absolvieren. So erhielt ich auch von der Bäckerei Aebersold perfekte Brotriegel für das Rennen mit. Die letzten Rennen fuhr ich immer mit Sandwich, Schokoladenriegel, Nüsse usw. Aber da ich in der ersten Stunde auf mich alleine angewiesen war, überlegte ich nicht viel und nahm die Sportgels von Sponser mit. Diese passten besser hinten ins Fahrradtrikot als die Brotriegel. Da bei diesem Rennen die Fahrer gemeinsam fahren dürfen, war es für das Begleiterteam in der ersten Stunde sehr schwierig, mir immer wieder Nahrung aus dem Fahrzeug zu geben. Darum bestellte ich über Funk immer wieder nur die Flüssigkeitsnahrung, was sich im nach hinein als Fehler erwies.

Nach 5 Stunden fuhren wir den dritten Berg hoch. Dabei lösten sich die Mitstreiter Thomas Ratschob, Eduard Fuchs und der heutige Weltmeister Simon Ruf vom Feld. Im Feld befand sich auch mein treuer Begleiter vom Vorjahr. Christian Burtscher und ich diskutierten bis zu diesem Punkt sehr viel miteinander. Da ich aber um den Weltmeistertitel kämpfen wollte, löste ich mich auch vom Feld und fuhr meinen Konkurrenten hinter her. Ohne Schwierigkeit fuhr ich den Schaidsattel hoch und konnte mich so in der vordersten Gruppe einreihen. Somit übernahmen wir drei Schweizer und ein Österreicher das Führungsfeld. Nach dem Schaidsattel begann ich den nächsten Fehler. Ich nahm zu der Sponsernahrung ein Ensure, um ein wenig zu Proteinen und Vitamine zu kommen. Dieses vertrug sich aber leider nicht gut miteinander. Nun wollte ich auch endlich auf die Feste Nahrung wechseln. Aber mein Magen war überfüllt mit der Flüssignahrung, so dass ich nichts mehr zu mir nehmen konnte. Ich trank also nur noch die Sponsergetränke Long Energy.

Mit einem 32km/h Schnitt fuhren wir zu viert Richtung Winklern. Das Tempo schien mir nicht zu hoch und so konnte ich auch immer wieder die Führungsarbeit im Feld übernehmen. Je länger das Rennen verlief, umso mehr merkte ich, dass mir die Zufuhr von neuen Kohlenhydraten fehlte. Mein Körper zerrte nur noch an den Reserven. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir klar, was für einen grossen massgebenden Fehler ich von Anfang an mit der Nahrung gemacht hatte. Das ich dies jetzt nicht mehr rückgängig machen konnte, war mir klar. Der Magen schmerzte extrem und ich überlegte mir, ob ich Salzlösung zu mir nehmen sollte, um mich übergeben zu können und den Magen so zu entleeren. Jedoch hatte ich zu grosse Angst, dass ich danach komplett einbrechen würde und das Rennen so aufgeben müsste. So fuhr ich in die Nacht hinein und nahm mehrere Stunden nur noch Wasser zu mir. So kam es auch, dass beim ersten Glockneranstieg der 30 Kilometer lang ist, konstante 13% Steigung hoch zum Gipfel führt, mich von den drei anderen verabschieden musste. So war ich von 2 Uhr Freitagmorgen auf mich alleine gestellt und kämpfte mich mit meinen Reserven auf den Glocknerman hoch. In diesen 3 Stunden nahm ich nur 0.5 Liter Wasser zu mir. Im Nachhinein ist das fast unvorstellbar, dass ich mit so wenig Nahrung diese Passstrasse bewältigen konnte.

Um 5 Uhr hatte ich diesen dann zum ersten Mal erreicht. Im Vergleich zum letzten Jahr waren die Minus 1 Grad, gerade zu warm. Mit hohem Tempo ging es auf der anderen Seite wieder runter Richtung Winklern wo der zweite Teil des Teams auf mich wartete. Völlig runtergekämpft kam ich um 6:20Uhr in Winklern an. Die Magenschmerzen die ich seit Stunden hatte, wurden immer wie stärker. Ich konnte kaum gerade stehe, geschweige noch Sitzen. Es ging einfach nichts mehr. Was nun? Soll ich jetzt wirklich aufgeben? Tausende von Gedanken flogen mir durch den Kopf! Dann habe ich mich aber entschieden, für meine Teammitglieder, für meine Sponsoren und auch für meine Gönner das Rennen bis ins Ziel zu fahren. Auch die unglaublich viele Nachrichten über SMS und Facebook motivierten mich bis zum bitteren Umfallen weiter zu kämpfen. So setzte ich mir ein neues Ziel – das Rennen egal mit was für einer Endzeit zu Ende zu fahren. Während meiner kurzen Pause (ca. 15min) in Winklern überholte mich mein Freund Christian. Dieser fragte noch nach mir und hätte mich auch mit gezogen. Jedoch befand ich mich zu diesem Zeitpunkt auf der Toilette und niemand hätte damit gerechnet, dass ich noch weiterfahren würde. Wie eine Leiche setzte ich mich wieder auf das Rennrad und nahm die zweite Runde über den Glocknerman in Angriff. Christian sah ich nur noch von hinten. Gedanklich wünschte ich ihm alles Gute. Mein Betreuerteam freute sich sehr, dass ich das Rennen weiter in Angriff nehme und motivierte mich mit den vielen Nachrichten aus der Schweiz.

So bekam ich auch langsam wieder Hunger und fing an ab und zu Erdnüsse oder auch Schokolade zu essen. Mitten im Anstieg auf den Glocknerman konnte ich sogar den ersten Riegel vom Aebersold nach Stunden wieder zu mir nehmen. Um 15:30Uhr erreichte ich dann die Spitze des Glocknerman zum zweiten Mal. Leider war es sehr bewölkt und man konnte keine Aussicht geniessen. Bei der Abfahrt nach Winkler merkte ich, dass mein Magen völlig entleert war und ich jetzt wieder Hunger bekomme. So bestellte ich bei meinem Betreuerteam eine Portion Spaghetti. Um 16:36 kam ich in Winklern an und dort wartete bereits auch schon meine Spaghettis auf mich. In nur 20 Minuten verpflegte ich mich, trank 5dl Cola und zog mich komplett um. Voller Energie durch das Essen und mit neuer Motivation startete ich zu den letzten 380 Kilometern Richtung Graz. Jetzt konnte ich mich auch regelmässig mit den Riegeln verpflegen. Bei den Getränken war es so, dass ich einfach nur noch Wasser getrunken habe. Ab und zu nahm ich auch einmal ein Becher Cola, um einen anderen Geschmack im Mund zu erhalten.

Je länger aber die Heimfahrt wurde. Je mehr wehrte sich der Körper gegen das Fahrradfahren. Ich kämpfte bereits am frühen Abend mit der Müdigkeit. Das Pech verfolgte mich, wo es nur konnte. So fing es um 22.00 Uhr auch an zu regnen. Ununterbrochen wie aus Kübeln regnete es bis ca. 4.00 Uhr morgens. Alleine auf der Strasse, kämpfte ich mich Meter für Meter vorwärts. Komplett durchnässt und ohne Sicht ging es in der Nacht von Freitag auf Samstag Richtung Graz. Bei solchem Wetter würde ich zuhause niemals freiwillig zu Fuss mit einem Regenschirm in die Stadt laufen. Aber ich fuhr mit dem Rennrad stundenlang im strömenden Regen. Dies waren meine Gedanken zu diesem Zeitpunkt. Ich betete nur noch, dass der Regen aufhörte und ich mich einmal wieder trocknen konnte. Durch den Regen und die Nachtkälte fingen auch die ersten grösseren Schmerzen in den Knien an. Tritt für tritt ging es langsam weiter. Der letzte grosse Berg stand dann irgendeinmal auch vor mir! Um den Soboth zu bewältigen, musste ich nochmals eine Bergstrasse über 11 Kilometer und Konstanten 18% Steigung bewältigen. Ein Jahr zuvor fuhr ich dieser im Dunkeln hoch. Jetzt aber fing es bereits heller zu werden und ich konnte die Umgebung die ich letztes Jahr im Dunkeln abfuhr begutachten. Jedoch war dies keine grosse Motivation für mich. Im Gegenteil. Dies demovierte mich wieder. Auf dem Sobot oben angekommen fingen neue Schmerzen in beiden Fusssolen an. Jeder Pedaltritt schmerze und war eine Qual für mich. So am Ende war ich noch nie. 100 Kilometer vor dem Ziel spielte ich wieder mit dem Gedanken aufzugeben.

Aber da hatte mein Betreuerteam eine super Idee. Das Team, welches Pause hatte, wartete 30 Kilometer vor dem Ziel, um mit mir im Konvoi dann die letzten Kilometer zu bewältigen. Aus diesem Grund warf ich zu diesem Zeitpunkt das Handtuch nicht weg und zog Meter für Meter weiter. Um 9:36 Uhr hatte ich Kitzeck, der Standort von den Teammitgliedern erreicht. Mit einer grossen Welle am Strassenrand begrüssten Sie mich und sprachen ihre Glückwünsche aus. Ich wusste aber noch vom Vorjahr, wie hart die letzten 30 Kilometer sind. Es gibt kein flaches Stück. Es geht immer hoch und runter. Genau dies war es, was ich mit meinen Schmerzen nicht mehr brauchte. Ich habe dem Team aber versprochen, dass ich es bis ins Ziel schaffen werde. So fuhren wir im Konvoi, angeführt durch mich auf dem Rennrad Richtung Graz. Bei solchen Rennen wie diesem hier, gibt es eigentlich selten Zuschauer Aber auf den letzten 30 Kilometer hatte ich sehr viele! Sie sahen auch alle gleich aus. Meine Teammitglieder fuhren ab und zu vor, stiegen aus und Applaudierten mir am Strassenrand. Dies war wunderschön. Nach unglaublichen 47 Stunden auf dem Rennrad, fuhr ich mit meinem Betreuerteam am Samstagmorgen um 11.00 Uhr in Graz ins Ziel.

Im ersten Moment war ich am Boden zerstört. Ich war noch nie so sehr enttäuscht über mich wie zu diesem Zeitpunkt. Auf das Einzige was ich stolz sein konnte, war mein Betreuerteam, welches mich bis am Schluss perfekt betreut hat und die Motivation nie verloren hatte. Sie glaubten bis am Schluss an mich so wie die vielen Freunde und Fans im Facebook. Trotz 47 Stunden Radfahren konnte ich nach einer Massage nicht einschlafen. So setze ich mich um 13.00 Uhr an den PC und las die vielen Facebook-Einträge in Ruhe durch. Dabei konnte ich mir das Rennen nochmals Revue passieren lassen und meine Einstellung zur Leistung ändern! Geändert hat sich folgendes, mit dem ich hier auch meinen Rennbericht abschliessen möchte: Jeder der 1‘000 Kilometer und 16‘000 Höhenmeter mit dem Rad an einem Stück absolviert, kann stolz auf sich sein. Egal ob dies in 42 oder 47 Stunden ist. Ein Verlierer ist man erst, wenn man aufgibt. Somit sage ich allen, die mich immer wieder bei meinen Rennvorhaben unterstützen und an mich glauben, herzlichen Dank. Euer Kevin

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