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14 Mai

«Einmal pro Jahr den inneren Schweinehund überwinden»

Ich (50) bin schon seit bald 30 Jahren ein leidenschaftlicher Jogger. Zwar ohne spezielle sportliche Ambitionen, bedeutete und bedeutet mir das Laufen in der Natur immer ein guter Ausgleich zu meiner meist sitzenden beruflichen Tätigkeit.

Durch diese sportliche Betätigung kann ich regenerieren, manchmal meditieren und komme immer wieder physisch und psychisch «gestärkt» nach Hause.Was für ein wohliges Gefühl, nach 60 Minuten Schwitzen unter der Dusche zu stehen! Laufen war und ist auch stets die beste Arznei für mich, sehr oft werden da Probleme zu Problemchen… und neben den vielen bekannten positiven Auswirkungen der Bewegung in der Natur dankt es mir sicher auch unsere Familie (wir haben einen 13jährigen Sohn): Ich werde sicher «geniessbarer» und hebe nicht gleich ab, wenn etwas nicht nach meinen/unseren Vorstellungen abläuft.

Wie gesagt, sportlich ambitiös bin ich nicht: der Kampf gegen Zeiten und Mitläufer ist mir eher ein Gräuel. Wohl gerade deshalb habe ich zum 100-km-Lauf von Biel gefunden: Eigentlich ist es kein Lauf, sondern vielmehr ein Abenteuer. Für die meisten Teilnehmer und Teilnehmerinnen steht nicht die Zeit oder ein Rang im Vordergrund: die grosse Hoffnung ist, auf dem Rundkurs das Ziel zu erreichen, während 7 (Spitzenläufer), 10, 15 oder gar 20 Stunden den Schwierigkeiten getrotzt zu haben. Dann, wenn viele physische oder psychische Ampeln auf rot stehen, zu sagen: nein, es geht weiter! Am Ziel angelangt, auf welchem Rang und in welcher Zeit auch immer, darf man sich getrost als Sieger wähnen – in welcher anderen sportlichen Veranstaltung gibt es schon so viele Sieger?

Mit 25 Jahren (1984) habe ich zum ersten Mal am «Bieler» teilgenommen. Wenn ich mich richtig entsinne, waren wir damals eine sportliche Gruppe, die einfach mal etwas Aussergewöhnliches leisten wollte. Zu ernst nahmen wir es nicht, da leisteten wir es uns unterwegs gar, an einem Grillstand eine Wurst zu vertilgen… nach etwa 16 Stunden erreichte ich zusammen mit meinem Laufkollegen das Ziel, ziemlich gerädert. Meine spezielle Erinnerung: Ich lief die 100-km in gewöhnlichen Hallen-Turnschuhen… Schon im Folgejahr (1985) ging es wieder nach Biel. Die Bedingungen waren misslich. Der sogenannte Ho-Chi-Min-Pfad, auf dem Emmendamm nach Kirchberg, machte seinem Namen alle Ehre. Die Strecke durch die Grenchner Witi (dieser Teilabschnitt besteht heute nicht mehr) wurde zum Morastpfad. Doch das Ziel in Biel erreichte ich wieder mit dem Läuferkollegen – allen Widrigkeiten zum Trotz und gar etwas schneller als im Vorjahr (wir gingen die Sache etwas ernsthafter an, verzichteten diesmal auf die Wurst unterwegs…)

Zum «Bieler» zurückgefunden

Die beiden Teilnahmen 1984 und 1985 blieben für mich jahrelang ein spezielle Erinnerung – doch eigentlich schien meine ganz persönliche Bieler Geschichte damit geschrieben. Doch offenbar blieb da ein Virus in mir – als mich mein Neffe 2006 anfragte, ob ich ihn auf dem Fahrrad über die 100-km begleiten würde, sagte ich spontan und mit Freude zu. Und es war einfach wunderbar, wieder einmal die «Nacht der Nächte» – wie der Anlass in Biel gerne zitiert wird – zu erleben. Mit meinem Neffen konnte ich 13 Stunden lang Höhen und Tiefen teilen, ihn aufmuntern, wenn es scheinbar nicht mehr weiterging – und schliesslich an seinem Glücksgefühl teilhaben, als er das Abenteuer mit Erfolg beendete.

Und in dieser Nacht muss es mich wieder so richtig «gepackt» haben, dieses spezielle «Bieler Gefühl», welches gar nicht einfach zu beschreiben ist. Werner Sonntag, lebende deutsche Lauflegende, hat es auf den Punkt gebracht, was für alle Läufer und Läuferinnen gilt, die das Aussergewöhnliche suchen: «Irgendwann muss Du nach Biel» – Der Titel seines 1978 geschriebenen Werkes ist Mythos. Im Übrigen kommt man an Werner Sonntag nicht vorbei, wenn man sich mit dem 100-km Lauf von Biel etwas näher beschäftigt – dazu noch später.

Einmal pro Jahr den inneren Schweinehund überwinden

Nach der Fahrrad-Begleitung meines Neffen (ich danke ihm, dass er mein schlummerndes Virus aufgeweckt hat) war der Entschluss bald einmal gefasst: ich wollte selbst wieder als Läufer in Biel teilnehmen. Die Beweggründe waren natürlich etwas anders als 1984. Franz Reist, Gründervater des europaweit berühmtesten 100-km Laufes zitiert im neuesten Werk von Werner Sonntag «Bieler Juni Nächte»: «Da habe ich mich in der zweiten Hälfte meines Lebens beruflich etabliert, mehr schaut kaum heraus, die Familie ist auch versorgt – und jetzt habe ich etwas entdeckt, was ich vielleicht heimlich schon über die Jahre wollte» … Worte, die auch meine Gedanken, meine Motivation vor drei Jahren gut wiedergeben – oder meine ganz persönliche Sichtweise: «Einmal pro Jahr den inneren Schweinehund in einem an sich sehr wohligen Leben überwinden, etwas Nichtalltägliches leisten.»

Es führen viele Wege nach Biel

Im ziemlichen Gegensatz zu meiner Erstteilnahme 1984 ging ich das Ganze schon einiges seriöser an. Im Herbst 2006 nahm ich zum ersten Mal seit dem Bieler 1985 (!) wieder an einer Laufveranstaltung teil: ich wählte den Napf-Marathon – dieser Lauf fordert mit seinem ständigen Auf und Ab mehr als ein gewöhnlicher Marathon. Ich schaffte es, musste aber ziemlich kämpfen. Wie sollte ich mich dann auf den Bieler 2007 vorbereiten? Ich erhielt einen nützlichen Wink: www.laufreport.de veröffentlicht auf seiner Website Trainingspläne für den Bieler 100er – für Läufer und Läuferinnen, welche sich 9, 11 oder 13 Stunden als Ziel setzen. Für mich waren 13 Stunden die realistische Vorgabe. Dieser Plan sieht in der Zeit zwischen November und Juni jeweils 3 bis 4 Trainingseinheiten pro Woche vor. Bei einem anfänglichen Wochenpensum von gerade mal 30 Km bis schliesslich maximal 70 Km.

Dieser Plan hat sich bisher für mich sehr bewährt: Meine 3 Teilnahmen 2007/2008/2009 absolvierte ich zwischen 12 ½ und 13 ¼ Stunden. Wahrscheinlich bin ich der Typ, der einen solchen Plan braucht, der mir die Gewissheit und Sicherheit gibt, auf dem richtigen Weg zu sein. Doch das muss keineswegs so sein: für meine deutsche Läuferkollegin Claudia, auch sie vom Bieler fasziniert, wäre ein solcher Plan eine starke Einengung. Und ebenso absolviert sie ihre Trainingseinheiten am liebsten mit einem Laufkollegen – demgegenüber bin ich meist alleine unterwegs, schätzte hier die Freiheit, über Zeitpunkt und Intensität einer Trainingseinheit selbst zu bestimmen. Dieses Beispiel zeigt schon auf: Es führen viele Wege nach Biel – entsprechend der Individualität eines Menschen, soll/muss jeder den für sich richtigen Pfad finden. So möchte ich hier weniger Tipps, sondern vielmehr mögliche Ansätze vermitteln. Und zudem: Mit 5 erfolgreichen Bieler Läufen bin ich zwar auf dieser Strecke kein Anfänger mehr, fühle mich aber noch nicht als derjenige Routinier, welcher die 100-km mit absoluter Gelassenheit angeht. Da müsste man vielmehr jene fragen, welche schon über 40 Mal (!) den inzwischen legendären Lauf – er findet 2010 zum 52. Mal statt – absolviert haben.

Werner Sonntag ist Mr. Biel

Wie erwähnt kommt man nicht an Werner Sonntag vorbei, wenn man sich etwas vertieft mit den 100-km von Biel beschäftigt. Der über 80jährige deutsche Ultraläufer, über 30facher Teilnehmer in Biel, hat sich auch mehrfach literarisch mit dem Lauf in Biel auseinandergesetzt. Sein Erstlingswerk «Irgendwann muss du nach Biel» hat schon fast Kultcharakter. Parallel verbindet Sonntag in dieser Schrift zwei Läufe: den Lauf in Biel und den Lauf des eigenen Lebens. Mit zwei weiteren Werken von ihm, mir persönlich hinsichtlich Biel hilfreicher, habe ich mich ebenfalls auseinandergesetzt: «Mehr als Marathon Bände I und II (Ausgaben 1985/86)».

Zum 50. Jubiläumslauf schliesslich hat Sonntag nochmals ein sehr abgerundetes Werk unter dem Titel «Bieler Juni-Nächte – Facetten eines Laufjubiläums» herausgegeben. Gerade für Erststarter ein sehr nützliches Buch, aber auch zum «Einstimmen» auf den Bieler grundsätzlich für jedermann/jederfrau geeignet. Und für all diejenigen, welche damit noch nicht genug Sonntag haben: unter wiederum www.laufreport.de veröffentlicht der Deutsche in seinem persönlichen Tagebuch regelmässig Kolumnen und setzt sich dabei nebst dem Laufsport mit «Gott und der Welt» auseinander.

Ernährung: Weniger ist mehr

Nun, bei einem Blog unter «Sponser» ist es angezeigt, sich auch mit der Ernährung auseinanderzusetzen. Hier halte ich es nach der Regel «weniger (verschiedene Sachen) ist mehr». Für den 100-km Lauf setze ich vor allem auf Wasser und Bouillon, ab und zu – eher zurückhaltend – ein isotonisches Getränk. Zusätzliche Energie geben mir Bananenstücke. Es gilt ja die eiserne Regel, beim 100-km Lauf hinsichtlich Ernährung/Getränken nichts auszuprobieren, das man schon in Trainings eingenommen hat – nun, beim Lauf 2009 habe ich gegen diese Regel verstossen und musste ziemlich bitter büssen: vor dem Start schüttete ich noch flüssiges Magnesium in mich hinein, ich weiss nicht welcher Teufel mich da geritten hat, und ich erhielt dafür die Quittung: während den ersten 30 Km litt ich unter Magenbeschwerden und konnte nur halbtourig laufen. Dafür sparte ich einiges an Energie, konnte in der zweiten Streckenhälfte die Pace ziemlich halten und erreichte gar meine persönliche Bestzeit. Dies ist aus meiner Sicht typisch für den 100-km Lauf: Krisen, und diese machen über eine solche Distanz wohl alle durch, gilt es zu meistern – und oft kommt man gestärkt davon heraus oder gewisse Beschwerden verflüchtigen sich wieder.

Mentale Komponente ist so wichtig wie das Training

Schliesslich bin ich der Meinung, dass für einen erfolgreichen (erfolgreich = für mich ankommen, ob in 7 oder 20 Stunden) 100-km Lauf weniger die Ernährung oder das Training ausschlaggebend sind, sondern zu einem grossen Anteil auch die mentale Komponente. 100-km sind ja grundsätzlich nicht trainierbar, es gibt dafür kein Patentrezept, wie auch Werner Sonntag festgestellt hat. Mit dem Trainingsplan nach www.laufreport.de weiss ich zwar, dass ich 60 – 70 Km ziemlich «im Griff» habe, mit zunehmender Distanz wird aus meiner Sicht dann das Mentale, der Willen, immer wichtiger. Diesbezüglich meine schwierigste Phase ist wohl zwischen Kilometer 70 und 85. Dieses Teilstück erlebe ich beim anbrechenden Tag (der Bieler startet jeweils abends um 22.00 Uhr). Die Müdigkeit ist schon ziemlich eingefahren, Muskeln schmerzen und beim Tageslicht erscheinen einem die Distanzen weiter. Gehpausen sind da für mich ziemlich unausweichlich. Das Schild «90 Km» stellt für mich dagegen immer ein grosser Motivationsschub dar: jetzt weiss ich: ich kann/werde das Ziel erreichen. Diese lächerlichen 10 Km werde ich auf jeden Fall noch meistern. Aber auch das muss nicht so sein: meine deutschen Freunde Reinhard und Claudia haben es schon «geschafft» bei oder nach 90 Km aufzugeben! Spielte da die bekannte Angst vor dem Sieg mit?

Das Mentale ist denn auch die grosse Herausforderung beim 100-km Lauf. Eine spezielle Vorbereitung dafür habe ich nicht. Grundsätzlich bin ich eher besser im Erreichen von Zielen über eine längere Zeitdauer, zum Beispiel in der beruflichen Ausbildung – das ist mir wohl angeboren.

Es braucht seine Zeit, bis ich auf «Touren» komme, habe dann aber eine recht gute Ausdauer. Ein spezielles Mentaltraining mache ich nicht. Wenn es eine mentale Vorbereitung für mich für Biel gibt, dann ist es die, meinen Trainingsplan wenn möglich immer – also bei jedem Wetter – einzuhalten. Es braucht natürlich mehr Überwindung, bei Schnee oder Regen nach draussen zu gehen, als bei angenehmen Laufbedingungen. Ein wenig kann ich so die Situation in Biel nach 70 -75 Km imitieren, wenn eine innere Stimme sagt: «Hör doch auf dich zu plagen, es macht ja keinen Sinn…»

Laufen findet draussen statt

Überhaupt liebe ich das Laufen in der freien Natur und die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Wetterbedingungen. Diesbezüglich mein «Favorit» ist: weiche Unterlage auf frisch verschneitem Weg und bei Sonnenschein. Aber auch der lauwarme Sommerregen tut es mir an. Die schweizweit wohl beste Marathonläuferin aus dem Nachbardorf hat das Wintertraining – wie ich in der NZZ gelesen habe – auf dem Laufband absolviert – wegen «dem harten Winter». Das wäre ein absoluter Gräuel für mich – Laufen findet für mich draussen statt. Sorry!

Der Weg ist das Ziel / das Umfeld muss stimmen

Eigentlich ist ja auch der Weg das Ziel. Monatelang ist man sportlich eigentlich nur auf die «Nacht der Nächte» fokussiert. Ich möchte umfangmässig das vorgenommene Programm einhalten. Ich ergänze es regelmässig auch mit Kräftigungsübungen, etwa für den Rücken, um den einseitigen Belastungen beim Laufen entgegenzuwirken. Ich versuche auch wenn immer möglich, mich gesund zu ernähren (oder zumindest was man in der einschlägigen Literatur als gesund betrachtet). Ich trinke auch klar weniger alkoholische Getränke als früher. Sehr wichtig erscheinen mir aber auch ein intaktes Umfeld, gute Rahmenbedingungen. Natürlich muss ich da zuerst meine Familie nennen.

Nun, nicht dass sie für mich die «grossen Motivatoren» wären im Sinne «gehe doch heute nach draussen, das Training wartet…». Aber meine Frau und mein Sohn stehen mir in meiner Vorbereitung in keiner Art im Wege – sie spüren ganz einfach, dass mir Laufen gut tut und ich einen Teil der Freude nach Hause nehmen kann. Wenn immer möglich, versuche ich die Trainingseinheiten zeitlich so anzusetzen, dass das Familienleben nicht speziell darunter leidet.

So starte ich für die Long Joggs meist morgen früh, oft vor 7 Uhr. So kann ich auch nach einer längeren Einheit noch gemeinsam mit der Familie frühstücken. Meine Arbeit bzw. mein Arbeitgeber ermöglichen es mir, eine kürzere Trainingseineinheit auch über den Mittag zu absolvieren. Dies kommt mir natürlich auch entgegen und zudem schätze ich es, dass mein Arbeitstag so in zwei Hälften getrennt wird. Kurzum: Familie/Beruf müssen für mich «stimmen», sonst würden für mich die wichtigsten Voraussetzungen für Biel fehlen.

Hohe Popularität in Deutschland

Natürlich braucht es ein gutes Stück Eigenwilligkeit, sich über die doch recht lange Zeit – und in meinem Fall oft allein – auf ein einziges Ziel vorzubereiten. Die Eigenmotivation muss hoch, und in meinem Fall ist sie es, wenn die eben erwähnten Komponenten «mitspielen». Ich habe früher lange und regelmässig auch Teamsport (Fussball/Unihockey) betrieben und somit auch rege an Vereinsleben teilgenommen. Heute schätzte ich aber, ehrlich gesagt, die diesbezügliche Unabhängigkeit. Zum «Ausgleich» tausche ich mich gerne mit Läuferkollegen/-kolleginnen aus, die ebenfalls das Ziel «Biel» vor Augen haben. Sie kommen alle aus Deutschland und dies ist auch nicht verwunderlich. Denn Ultraläufe (Distanzen länger als ein Marathon) haben in unserem nördlichen Nachbarland einen klar höheren Stellenwert als bei uns. Die 100-km von Biel sind in Deutschland äusserst populär. Dieses Land stellt denn auch die überwiegende Zahl der Teilnehmer und Teilnehmerinnen. In den letzten Jahren hatte der «Bieler» ja mit abnehmenden Anmeldezahlen zu kämpfen, auf tieferem Niveau scheint sich die Zahl nun aber zu stabilisieren. Ohne die Starter aus Deutschland – und dies scheint mir oft zu wenig gewürdigt – wäre der Lauf wohl dem Tod geweiht. Denn der organisatorische Aufwand für den Lauf, wie erwähnt ein Rundkurs, ist enorm. Somit möchte ich zwei spezielle Kränzchen winden: einerseits den Organisatoren und vielen Helferinnen und Helfer, und anderseits eben auch an die Läuferschar speziell aus Deutschland und anderen Ländern – sie nehmen oft einen langen Anfahrtweg in Kauf, nächtigen teilweise im Start-/Zielgelände in Zelten. Dies sind wohl die echten «Ultra-Freaks», dank denen 100-km Läufe überhaupt überleben können.

Fahrradbegleitung ist nicht «matchentscheidend»

Jetzt, Anfang April, ist 2/3 meines Vorbereitungspensums absolviert. Es folgen aber noch einige anforderungsreiche Wochen, die laufmässige Belastung steigt weiter an – aber je näher der Tag X rückt, also der 11. Juni 2010, desto höher steigt auch die Motivation, wird die Vorfreude immer spürbarer. Die 100-km von Biel sind für mich ein Leben im Zeitraffer. Hochs und Tiefs, gewaltige Emotionen, wechseln sich da ab. In meinen Gedanken bin ich manchmal bereits in Biel: Die letzten Vorbereitungen im Eisstadion sind schon fast Ritual. Die letzten Minuten vor dem Start, die Anspannung steigt. Monatelang hat man diesen Moment vor Augen, sich in vielen Trainingseinheiten – auch nachts, bei Kälte, Schnee, Regen – vorbereitet. Zählt schlussendlich alles nichts mehr. Nun gilt es für mich, 12 oder noch mehr Stunden alle Kräfte – und wenn nötig noch mehr – abzurufen, um das Ziel «Biel» zu erreichen.

Meine Frau wird mich wiederum auf dem Fahrrad begleiten. Auch sie muss – auf einer etwas anderen Ebene – Beachtenswertes leisten. Womit auch diese Frage angesprochen sei: «Braucht es in Biel eine Fahrrad-Begleitung?».

Von den Verpflegungsmöglichkeiten her gesehen eigentlich nicht, die sind sehr ausreichend vorhanden. Doch auch hier sind verschiedene Betrachtungsweisen angebracht. So können etwas 5 Km ohne Flüssigkeitsaufnahme, wenn einem die kräftige Junisonne um die Mittagszeit auf den Kopf brennt, schon sehr, sehr weit sein. Wie es bei Läufen dieser Art auch üblich ist, kann man Bekleidung oder Schuhe an bestimmt Streckenposten «voraussenden». Ich habe aber trotzdem Freude, dass meine Frau meine Gefühle und Emotionen während diesem Abenteuer teilt. Sie ist aber nicht ständig «an meiner Seite», oft fährt sie zu bestimmten Fixpunkten voraus. Ich habe aber ständig ein Handy bei mir, damit wir uns – wie es gerade in der Dunkelheit schnell vorkommen kann – wieder orten können. Dank der Fahrradbegleitung konnte ich schon drückende Schuhe wechseln oder schneller zu notwendiger Flüssigkeitsaufnahme kommen. Dies schätzt man natürlich, doch – um das Thema abzuschliessen – es ist nicht «matchentscheidend».

Viele Leute mögen die Teilnahme an einem 100-km Lauf als «Spinnerei» abtun. Ich hingegen betrachte es als Privileg, gerade in meinem doch schon etwas vorgerückteren Alter (bitte lacht jetzt nicht, ihr 60-/70- oder gar 80jährigen Bieler «Finisher»). Aber es ist natürlich eine Tatsache, ohne eine gute Gesundheit ist es undenkbar, einen solchen Lauf zu bestreiten (auch dieser Aussage kann widersprochen werden: Schon Sportler mit bedeutender gesundheitlicher Beeinträchtigung haben die 100-km erfolgreich absolviert).

Und was nach dem Zielband in Biel, meiner womöglich 6. Teilnahme in Biel? Ich lasse es auf mich zukommen und überlasse das Schlusswort gerne wieder Werner Sonntag, der die Aussage eines Läufers in «Bieler Juni-Nächte» wie folgt zitiert: «Solange ich in Biel teilnehmen kann, lebe ich…»

4 Kommentare zu “«Mein Weg zum 100-km-Lauf von Biel»”

  1. Elwert Walter sagt

    29. August 2010, 18:45

    Sehr geehrte Damen und Herren!
    Ich, Elwert Walter geb. 12.4.1926 habe in den Jahren 1979 1984 5x am Lauf
    teilgenommen. Ich habe auch die Ehrenplakette für 5maliges teilnehmen er-
    halten. Eine Bitte habich: Ist es möglich aus dieser Zeit noch Ranglisten zu
    bekommen. Darüber würde ich mich sehr freuen.

    mfg. Elwert Walter

  2. Sponser sagt

    2. September 2010, 13:55

    Lieber Elwert Walter
    Herzliche Gratulation zur fünfmaligen Teilnahme am Bieler 100-km-Lauf! Das ist in der Tat eine tolle Leistung! Ihrer Bitte nach Ranglisten aus dieser Zeit können wir von Sponser Sport Food kaum nachkommen. Ich würde jedoch vorschlagen, dass Sie mit Ihrem Anliegen an die Verantwortlichen des Bieler 100-km-Laufs treten. (lauftage@bluewin.ch) Ich denke, da kann man Ihnen bestimmt weiterhelfen!
    Beste Grüsse und alles Gute!

  3. Elwert Walter sagt

    16. September 2012, 09:23

    Sehr geehrte Damen und Herren!

    Hiermit wende ich mich an Sie, mit der Frage, ob noch Ergebnislisten aus meiner
    Zeit 1979-1984 zu haben sind.

    Vielen Dank

    mfgh.
    Elwert Walter 12.4.1926

  4. Sponser sagt

    27. September 2012, 17:49

    Lieber Elwert Walter.
    Stellen Sie doch Ihre Fragen einmal den Verantwortlichen der Bieler Lauftage. Zu erreichen per Mail via: office@100km.ch
    Herzliche Grüsse, das Sponser-Team

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